Theorethischer Unterbau des SysAGT
Darüber hinaus sind selbstverständlich auch
Einzelgespräche und -schulungen möglich!
Theoretischer Unterbau und pädagogischer Ansatz
Das SysAGTâ (systemische Anti-Gewalt-Training) ist aus dem AATâ (Anti-Aggressivitäts-Training), welches in den 80er Jahren in der JVA Hameln von dem Psychologen Michael Heilemann und dem Sozialpädagogen Jens Weidner als Mitglieder einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelt wurde, weiterentwickelt worden.
Der konfrontative Erziehungsstil von Sam Ferrainola „They are not bad boys – they have done bad things, but they are not bad boys!” impliziert die Trennung von Person und Verhalten. Dies meint auf der einen Seite die volle Sympathie für den Klienten bei gleichzeitiger Ablehnung seines (gewalttätigen) Verhaltens.
Die lerntheorethische Komponente orientiert sich an Albert Banduras Modelllehren. Das zentrale Konzept von Banduras Theorie ist das Beobachtungslernen. Dabei wird Verhalten durch die Beobachtung anderer Individuen erworben oder modifiziert. Gelernt wird nicht nur das Verhalten, sondern auch die Kenntnis der Konsequenzen. Aggressives Verhalten wird dabei als erlernt betrachtet und kann – beispielsweise über Antizipation von negativen Konsequenzen oder die Bereitstellung entsprechend attraktiver Modelle – wieder verlernt werden. „Aus sozial-lerntheoretischer Sicht besteht die effektivste Methode, aggressives Verhalten zu vermindern (…) darin, den funktionellen Wert pro-sozialer Alternativen zu steigern. Indem man lohnende Alternativen entwickelt, vergrößert man die Wahlfreiheit der einzelnen Personen und reduziert damit die Aggressivität“ (Bandura, 1976).
Der bedeutendste Vertreter der hier angewendeten provokativen Therapie ist der US-Psychologe Frank Farrely. Seine „Provokative Therapie“ begreift „Lachen als beste Medizin“. Mit Humor und Ironie wird das Fehlverhalten der Klienten auf die Schippe genommen. In der provokativen Therapie „spielt der Therapeut nicht die Rolle des ewig verständnisvollen Übervaters, sondern „Advocatus Diaboli“, der unter dem Motto „Übertreibung verdeutlicht“ den Klienten provoziert, um Grenzerfahrungen herauszulocken und diese dann sachlich zu besprechen (Weidner 1997).
Darüber hinaus finden auch Elemente von Fritz Perl (Perls Hot Seat), sowie Raymond Corsini (Hinter-dem-Rücken-Technik) Einzug in die konfrontative Therapie. „Wenn er seine Erklärungen beendet hat, verlässt der Protagonist den Raum symbolisch, indem er sich aus der Gruppe heraus begibt und nach außen blickt. Der Rest der Gruppe diskutiert hinter seinem Rücken über ihn (über sein Verhalten), während er zwar zuhört, aber nicht zusieht (Corsini 1994)“. Die teils schonungslosen Aussagen der anderen Gruppenmitglieder sollen einen Veränderungsprozess bewirken. Eine abschließende empathische Aufarbeitung des Gesagten ist dabei ebenso von allergrößter Wichtigkeit wie die Trennung von Person und Verhalten.
Die Grundhaltungen dieser Art der Therapie sind:
- Verstehen, aber nicht einverstanden sein. (Ich mag Dich, aber das Verhalten akzeptiere ich nicht!)
- Die klare Linie mit Herz. (Leitplanken geben durch ein Regel- und Lenkungssystem)
- Grenzziehung bei Grenzüberschreitungen (Grenzziehungsbereitschaft: alles, was nicht sanktioniert wird, ist die neue Norm.)
Diese Art der konfrontativen Therapie entspricht einer autoritativen Erziehung, die sich durch ein hohes Maß an Wärme bei einem ebenfalls hohen Maß an Kontrolle auszeichnet.
Bezogen auf das von mir durchzuführende Training bedeutet dies, dass sowohl die Teilnehmer untereinander als auch die SysAGTâ Trainer und die anwesenden Trainer der Mannschaft einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander pflegen. Ausgrenzungen werden nicht geduldet, bei Verstößen und grenzverletzendem Verhalten, wird die ausführende Person mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert, um eine Verhaltensänderung zu erwirken.
Regeln sind zum Beispiel, dass jeder Teilnehmer durch „Stopp“ ein Aussetzen jedes Handelns herbeiführen kann. Darüber hinaus lassen wir einander ausreden, selbstverständlich wird niemand ausgelacht, beleidigt, oder gar verletzt. Jede Person sollte alles ausprobieren, Pünktlichkeit wird erwartet. Sollte eine Person gegen eine dieser Regeln verstoßen wird sie, wie bereits erwähnt, mit diesem Fehlverhalten konfrontiert. Diese Konfrontation findet je nach Häufigkeit, oder Schwere des Vergehens in 5 Stufen ab:
- Freundlich – nonverbal
- Unfreundlich – nonverbal
- Freundlich – verbal
- Unfreundlich – verbal
- Konfrontation durch die Gruppe
Alle Teilnehmenden werden an dem Punkt abgeholt, an dem sie sich vor Beginn des Trainings befinden. Entwicklungen werden nach den einzelnen Modulen in der Evaluation besprochen und wertschätzend festgehalten.
Zu meiner Person
Ich wurde am 14.06.1973 in Hamm geboren. Nach meinem Abitur im Jahre 1992 leistete ich meinen Zivildienst beim Rettungsdienst der Feuerwehr in Hamm. Im Anschluss studierte ich Musik mit dem Hauptfach Posaune an der Hochschule für Musik in Köln. Im Jahr 1999 heiratete ich meine Frau Melanie, mit der ich zwei gemeinsame Söhne habe.
Beruflich bin ich seit 2009 Lehrer an der Musikschule des Rhein-Kreis Neuss, sowie seit 2011 als Lehrer am Pascal-Gymnasium in Grevenbroich.
Im Fußball war ich als Jugendleiter, Abteilungsleiter sowie Geschäftsführer in Vereinen tätig. Seit 2019 bin ich Vereinsmanager (B-Lizenz). Als Trainer habe ich C-Lizenzen in den Bereichen Kinder und Jugend, Torwart sowie Erwachsene. Darüber hinaus habe ich im Jahr 2019 den Torwarttrainer-Leistungskurs in Leipzig absolviert.
Seit Juni 2023 bin ich Kreiskonfliktbeauftragter im Kreis Grevenbroich/Neuss und vom 01.09.2023 bis 31.12.2024 DFB-Club-Berater beim Fußballverband Niederrhein, bei dem ich auch zum Lehrstab Gewaltprävention gehöre.
Im Jahre 2024 schloss ich Ausbildungen als Practioner für integrative Potentialentfaltung sowie als Resilienztrainer ab.
Seit 2024 bin ich ausgebildete Ansprechperson bei Verdachtsfällen von interpersoneller Gewalt, und darüber hinaus als Referent und Berater für Verbände, Bünde und Vereine beim LSB NRW zertifiziert.
Ziel der Maßnahme
- Klärung des Begriffs Gewalt und dessen Strukturen. Durch das Auseinandersetzen mit Formen der Gewalt, soll den Teilnehmenden bewusst gemacht werden, in welchen unterschiedlichen Formen Gewalt auftritt und wie sie auf unterschiedliche Weise wahrgenommen werden kann.
- Das Erlernen eines friedvollen Umgangs soll dadurch vorangetrieben werden, dass die Teilnehmenden sich häufig in die Lage der anderen hineinversetzen sollen und dadurch für unterschiedliche Ansichtsweisen/Empfindungsarten sensibilisiert werden.
- Stärkung der einzelnen Spieler und der Peer-Group durch eine Verbesserung der Kenntnisse über die einzelnen Mitglieder der Mannschaft.
- Sensibilisierung der Täter:innen wird dadurch erreicht, dass ein Perspektivwechsel vollzogen wird und die Täter:innen dabei in die Opferrolle schlüpfen.
- Erlernen von Deeskalationstechniken sind essenziell, um auf dem Spielfeld mit herausfordernden Situationen umgehen zu können. Hierbei sind sowohl die einzelnen Teilnehmer als vor allem auch die Gruppe sehr wichtig, da die Gruppe darin geschult werden soll, einzelne „Ausreißer“ wieder einzufangen.
- Mobbingprävention und -intervention führt zu einem besseren Gruppenklima. Innerhalb der Mannschaft soll und darf niemand ausgegrenzt werden.
- Teambuilding ist ein wesentlicher Bestandteil des Trainings, da ein Team, welches gut zusammenhält eine große Resilienz gegenüber äußeren Störfaktoren hat.
- Steigerung der Sozialkompetenz soll ebenso wie die Mobbingprävention dazu führen, das Gruppenklima zu verbessern, und jedem Teilnehmer mehr Wertschätzung zukommen zu lassen.
- Verbesserung der Kommunikation ist ebenso essenziell. Durch das Erlernen von gewaltfreier Kommunikation wird die Empathie, sowie das Verständnis für andere Personen geschult.
Struktur der Teilnehmergruppe
- Maximal 30 Personen
- Mindestalter 8 Jahre
- Keine reine „Tätergruppe“
- Struktur der Gruppe wird nach folgenden Kriterien abgefragt: männlich/weiblich, Mobbing, Medikamente, Psyche, Vorstrafen, Traumata, Drogen, ADHS
Eine Durchführung ist mit folgenden Personenkreisen möglich:
- Mannschaften Junior:innen
- Mannschaften Senior:innen
- Schiedsrichter:innen
- Trainer:innen
- Vorstandsmitglieder
- Eltern
Rahmenbedingungen des Trainings
- Ein Trainer/Betreuer muss die ganze Zeit über anwesend sein (außer Einzelgespräche).
- Während der gesamten Zeit wird ein Raum zur Verfügung gestellt. Dieser soll weitestgehend leer sein, und pro Teilnehmendem steht ein Stuhl zur Verfügung.
- Das Training findet in den Herbstferien statt, die genauen Tage werden noch besprochen.
- Das Training umfasst 3-5 Unterrichtseinheiten pro Tag.
- Insgesamt finden 20 Unterrichtseinheiten statt.
- Am ersten Tag werden Regeln aufgestellt, die von allen einzuhalten sind.
- Jeder Teilnehmer kann durch „STOPP“ Übungen bei Überforderung unterbrechen.